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Immun gegen Argumente

Unter diesem Titel erschien in der Winterbeilage "Kinderleben" der Süddeutschen Zeitung (SZ) ein Artikel über Schutzimpfungen, der seiner eigenen Überschrift erschreckend gerecht wird.

Einen Leserbrief an die SZ von Dr. med. Steffen Rabe finden Sie hier. 

Sicher ungewollt beschreibt Christina Berndt mit dieser Überschrift den gedanklichen Duktus ihres eigenen Artikels höchst zutreffend – dies sei exemplarisch an nur einigen der dort veröffentlichten Behauptungen aufgezeigt:

Impfungen gehörten zu den „sichersten Dingen, die man vom Arzt bekommen kann“ – es bleibt offen, woher diese Erkenntnis sich speist, résumiert das in Deutschland für die Impfstoffsicherheit zuständige Paul Ehrlich Institut doch unseren diesbezüglichen Wissensstand mit der lapidaren Feststellung, die zu den Nebenwirkungen von Impfstoffen vorliegenden Daten erlaubten „keine Aussage über die Häufigkeit bestimmter unerwünschter Reaktionen“ und „können also nicht die Frage beantworten, ob Impfungen oder bestimmte Impfstoffe „sicher“ sind“[i]. Betrachtet man die Qualität der Impfstoffuntersuchungen unter dem Aspekt der heute so hoch gelobten „Evidenz basierten Medizin (EBM)“ wird ebenfalls deutlich, dass die Qualität dieser Studien oft weit hinter der anderer Medikamente zurückbleibt, dies nicht zuletzt, da es – im Gegensatz zu anderen Medikamentenstudien – in der Regel keinen Vergleich mit einer ungeimpften oder mit Scheinmedikament (Plazebo) geimpften Kontrollgruppe gibt (was wissenschaftlich unabdingbar ist) und die Mehrzahl der Studien unverändert von den Herstellerfirmen (mit)finanziert wird.

Wenn Berndt die Überzeugung, das kindliche Immunsystem reife auch an durchgemachten Kinderkrankheiten als „pseudowissenschaftlich“ abqualifiziert, zeigt sich auch in diesem Urteil schlicht eine Ignoranz des Standes moderner immunologischer Forschung: so stellte zum Beispiel eine deutsche Forschergruppe – zu der nicht ohne Pikanterie auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkomissione (STIKO) HJ Schmitt gehörte – in einer im letzten Jahr veröffentlichten Untersuchung fest, einer der Gründe für die Zunahme schwerer Bronchitiden und Bronchiolitiden bei Säuglingen und Kleinkindern sei wohl auch die Masernimpfung, da die durchgemachten Masern offenbar eine Kreuzimmunität gegen den Haupterreger dieser Erkrankungen (den so genannten Respiratory Syncitial Virus/RSV) vermittelten, die Masernimpfung jedoch nicht[ii].

Auch sonst macht sich die Autorin die kurzsichtige Perspektive von Impfstoffherstellern und STIKO unkritisch zu eigen: warum Säuglinge gegen Hepatitis B impfen, wenn sie als Jugendliche beim ungeschützten Geschlechtsverkehr durch HIV Risiken ausgesetzt sind, gegen die keine Impfung sie feit und die unvergleichlich viel größer sind, als die einer Hepatitis-Infektion. Nur Aufklärung, Aufklärung und nochmals Aufklärung schützt vor diesen Gefahren und eine Impfung (gegen Hepatitis B), die den Jugendlichen suggeriert, safer sex sei jetzt, da sie ja geimpft sind, nicht mehr so wichtig, kann sich leicht zum Gesundheitsrisiko entwickeln.

Ein in dieser Weise die Hochglanzbroschüren der Impfstoffhersteller lediglich paraphrasiender Artikel hilft den von der Autorin erwähnten Eltern aus dem von ihr eingangs geschilderten Dilemma nicht einen Millimeter heraus – er vertut die Chance, als Beilage einer der renommiertesten deutschen Tageszeitungen, den Finger wirklich auf die Dinge zu legen, die hier Abhilfe brächten: die Forderung nach einer industrieunabhängigen Forschung über die Sicherheit von Impfstoffen, nach Untersuchungen über die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen von Impfprogrammen und – nicht zuletzt – nach einer STIKO, deren Mitglieder nicht, wie zur Zeit der Fall, in der überwiegenden Mehrzahl mittelbare oder unmittelbare Verflechtungen zur impfstoffherstellenden Pharmaindustrie unterhalten[iii].


[i] Keller-Stanislawski, B. bundesgesundheitsblatt 2004. 47: 1151-1164
[ii] WEIGL, JAI. Klin Padiatr 2005; 217: 259-267
[iii] www.individuelle-impfentscheidung.de

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