Fast zeitgleich erschien im Berliner Tagesspiegel (01.11.2014) und in der ZEIT (04.11.2014) ein Artikel der Wissenschaftsjournalistin Edda Grabar, in dem diese die Geschichte ihrer eigenen Tochter zu einer Apologie des Impfens und einer leider sehr pauschalen Kritik an der kritischen Auseinandersetzung mit diesem Thema nutzt.

Lesen Sie hier eine Antwort einiger unserer ärztlichen Mitglieder, die mittlerweile als Leserbrief vom Tagesspiegel veröffentlicht wurde.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der von Ihnen veröffentlichte Aufsatz enthält ein starkes Bekenntnis zum „Impfen“ auf der Basis von verallgemeinernden und damit vereinseitigenden Informationen. So hat die HPV-Impfung, welche gegen die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs schützen soll, eine völlig andere Zielrichtung als jede andere Impfung. Überdies ist zwar bekannt, dass Vorstufen dieser seltenen Krebsart unterdrückt werden. Der Nachweis jedoch darüber, dass der Krebs selbst verhindert wird, steht weiterhin aus. Inzwischen wird diese (ausgesprochen kostspielige) Impfung sogar für Jungen empfohlen, die selbst nie an dieser Krebsart erkranken können. Der Artikel endet mit der impliziten Schlussfolgerung, dass auch diese Impfung eine Selbstverständlichkeit sei.

Ob es richtig war, die Impfung gegen Schweinegrippe 2009/10 sogar für Kinder und Schwangere zu empfehlen und diese Impfung überdies mit dem neuen und an Kindern seinerzeit so gut wie nicht erprobten Verstärker („Adjuvans) AS03 auszustatten, wird gar nicht problematisiert. In den USA war dieser Impfstoff gar nicht erst zugelassen worden. Ferner werden Komplikationen von Impfungen verallgemeinernd und undifferenziert zusammengefasst.

In der Öffentlichkeit wird so gern der Eindruck erweckt, es gehe um die gute Sache des Impfens und den Impfgedanken, ohne dass offen und differenziert informiert wird. Impfen aber ist nicht gleich Impfen: Impfungen in Industrieländern sind nicht ohne weiteres zu vergleichen mit Impfungen in Ländern, in denen bestimmte Krankheiten verbreitet sind und anders verlaufen. Eine Impfung gegen eine seltene Krebsart bei Frauen bedarf einer anderen Betrachtung als eine Impfung gegen Masern. In den westlichen Industrieländern verzeichnen wir eine zunehmende Rate an chronischen Erkrankungen bei Kindern. Sie sind z.B. immer häufiger von Diabetes Typ 1 betroffen. Die Tatsache, dass wir hierzulande flächendeckend und gegen immer mehr verschiedene Erkrankungen impfen, bringt uns um die Möglichkeit den Einfluss dieser Maßnahmen kritisch zu überprüfen.

Weiterhin wird wie selbstverständlich berichtet, dass bei vermuteten Impfschäden ein Zusammenhang meist nicht zu „beweisen“ sei. In Deutschland muss aber der einzelne Patient nachweisen, dass er durch die Impfung geschädigt wurde. Warum aber muss der Patient die Verantwortung für den Nachweis des Schadens tragen, wo es sich doch um eine öffentlich empfohlene Impfung handelt?

Es wäre gut, wenn auch in der Öffentlichkeit sachlicher und offener mit diesem für heilig befundenen Thema umgegangen würde. Patienten und Eltern brauchen weniger pauschale als differenzierte Informationen. Stattdessen wird polarisierend auf sog. „Impfgegner“ verwiesen, die sich verweigerten. Warum werden die berechtigten Fragen der Eltern nicht wirklich ernst genommen? Am 12.11.2014 um 19.30 Uhr wird es hierzu in Berlin-Kreuzberg in der Passionskirche eine Veranstaltung geben unter dem Titel: „Impfen: pro und contra“. Es sprechen drei Kinder- und Jugendärzte, die sich durch einen differenzierten Umgang mit dem Thema auszeichnen.

Dr. med. Stefan Schmidt-Troschke, MBA, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Berlin

Dr. med. Anne Steinmüller, Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Berlin

Dr. med. Karl-Reinhard Kummer, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Berlin

 

Literatur

Berliner Tagesspiegel vom 01.11.2014

Die ZEIT vom 04.11.2014