Am 30. Januar 2014 und als Wiederholung am 13.November 2014 zeigte 3sat eine Dokumentation mit dem reißerischen Titel „Impfen – Nein Danke?". Die Sendung zeichnet sich aus durch Unausgewogenheit und schlechte Recherche. Es kommen fast ausschließlich Impffunktionäre und –lobbyisten zu Wort. Als Alibi-Häppchen dienen kurze Ausschnitte aus einem Interview mit unserem Vereinsmitglied Martin Hirte. „Impfen – Kein Problem“ wäre der treffendere Titel des Beitrags gewesen.

Hier einige Beispiele für die Tendenziösität:

Die ausführliche Darstellung der Herstellung von Grippe-Impfstoffen bei GlaxoSmithKline mit Peter Schu, Geschäftsführer des Unternehmens, suggeriert die Unumstrittenheit der Grippe-Impfung. Die Sendung verliert kein Wort über Zweifel an der Wirksamkeit der Grippeimpfung, und über die Problematik des Industriesponsorings von Impfstudien. Man hätte gerne einen Wissenschaftler etwa des unabhängigen Cochrane-Instituts vor der Kamera gesehen, und nicht einen Vertreter der Industrie. GlaxoSmithKline war immerhin 2012 in den USA Spitzenreiter bei Strafzahlungen wegen der Verheimlichung von Medikamenten-Nebenwirkungen.

Klaus Schlüter, Geschäftsführer von Sanofi Pasteur darf vor laufender Kamera die „Impfmüdigkeit“ beklagen, die durch die „Pandemiediskussion“ während der „Schweinegrippe“ 2009 entstanden sei. Als sei diese Diskussion die Ursache gewesen, und nicht der Ärger über die Impflobbyisten in den nationalen und internationalen Gremien. Die Sendung übergeht völlig diese Hintergründe. Darüber hätte man aber gerne etwas gehört, etwa von einem Mitarbeiter des Arzneitelegramms oder von Transparency International.

Jan Leidl, Vorsitzender der STIKO, bezeichnet den Schweinegrippeimpfstoff Pandemrix, der Hunderte von Kindern und Jugendlichen für ihr Leben lang geschädigt hat, als „gut“. So eine – vielleicht nur ungeschickte - Bemerkung in der Sendung zu lassen und nicht herauszuschneiden ist ein grober Faux-pas der Redaktion.    

Impfkritische Eltern werden in dem Film verunglimpft: Sie stünden der Schulmedizin „grundsätzlich skeptisch“ gegenüber,  seien also so etwas wie Kritiker um jeden Preis, und seien mehr oder weniger „verantwortungslos“. Es wird gemutmaßt, „Impfskepsis“ oder „Impfverweigerung“ stammten aus einer Art verzerrten Wahrnehmung. Weiterhin wird suggeriert, Impfkritiker würden grundsätzlich  a l l e  Impfungen ablehnen.

Es wird in der Sendung berichtet, gebildete Eltern seien impfkritischer eingestellt, es wird aber nicht den Ursachen nachgegangen; auch nicht der Frage, warum mehr als ein Drittel aller Eltern ihre Kinder nicht nach STIKO impfen lassen. Es wird nur die Behauptung aufgestellt, das Internet sei mehr oder weniger an allem schuld.

Es wird behauptet, das Masernproblem In den USA sei gelöst. Nicht erwähnt wird, dass es  dort 2013 mindestens 186 Masernfälle gab (Pediatrics 2014).  Die USA sind also beileibe nicht frei von Masern. Es wäre auch einen Kommentar wert gewesen, dass Kinder, die gemäß STIKO-Empfehlung schon mit 11 Monaten geimpft werden, besonders häufig den Schutz wieder verlieren (De Serres 2012) und damit die Achillesferse des Impfprogramms bilden.

Es wird, wie in jeder Sendung über Masern, ein Fall der tödlichen Masernspätfolge SSPE ausführlich dargestellt. Solchen Fällen könnte man ebenso Einzelfälle von Kindern gegenüberstellen, die durch eine Impfung mutmaßlich geschädigt wurden oder tödliche Komplikationen erlitten. 

Die "tatsächlichen Fallzahlen", die belegen sollen, die Masernkrankheit würde 1000mal häufiger Schäden hervorrufen als die Impfung, sind völlig aus der Luft gegriffen. Es gibt unterschiedlichste Zahlen, je nach Schätzungen und Intentionen des jeweiligen Autors, aber ein Verhältnis von 1:1000 lässt sich mit keiner professionellen Analyse belegen.

Es wird unkommentiert dargestellt, die STIKO-Empfehlungen würden verlässlich auf der sogenannten Evidence Based Medicine beruhen. Daran gibt es berechtigte Zweifel, denn sie berufen sich nahezu ausschließlich auf Studien von Pharmaherstellern, und über deren Problematik gibt es inzwischen viele kritische Studien (z.B. Schott). Vor allem an die Sicherheitsüberprüfung von Impfstoffen werden nur sehr geringe Anforderungen gestellt. Positive Auswirkungen von Krankheiten (wie z.B. Mumps oder Windpocken) auf die Langzeitgesundheit werden bei den Empfehlungen gar nicht berücksichtigt; ebenso wenig die Folgen des Verschiebens von Krankheiten wie Masern, Windpocken, Mumps oder HPV in höhere Altersgruppen. Der Verfassungsrechtler Rüdiger Zuck hält die Verlautbarungen der STIKO für „in verfassungswidriger Weise unvollständig“, denn eine Risikoabschätzung sei „auf ihrer Grundlage weder für den Impfling noch für den Arzt möglich". Herrn Zuck hätte man gerne in dieser Sendung gehört.

Die Arbeit der STIKO ist nicht transparent, wie unkommentiert dargestellt wird: Die Sitzungen sind nicht öffentlich, die Sitzungsprotokolle wurden bis vor Kurzem nicht veröffentlicht (erst ab Nov. 2012), die Berufungskriterien der Mitglieder sind nicht veröffentlicht. Etliche STIKO-Mitglieder deklarieren relevante Interessenkonflikte. Das ist bei einem Gremium mit so weitreichender Befugnis inakzeptabel. In einer Verlautbarung der DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin heißt es: „Übereilte Einführungen von Impfungen dürften zudem auch zu Spekulationen beigetragen haben, die STIKO sei in ihren Empfehlungen nicht allein von sachlich-wissenschaftlichen Interessen geleitet. Einige nachgewiesenen Industrie-Verflechtungen von Mitgliedern der STIKO verstärkten diesen Eindruck“. Warum wurde von der DEGAM niemand interviewt? Warum niemand von Transparency International?

Es wird dargestellt, dass Krampfanfälle nach Impfungen durch einen Gen-Defekt verursacht werden, die Schuld also quasi beim Kind liegt. Auch der Fall Wakefield wird als Beleg dafür präsentiert, dass es eigentlich keine echten neurologischen Impfschäden gibt. Die vielen Meldungen beim Paul-Ehrlich-Institut zu neurologischen Erkrankungen nach Impfungen - 20% aller gemeldeten Impfreaktionen - sprechen eine andere Sprache. Es kam jedoch niemand zu Wort, der mit solchen Fällen professionell zu tun hat.

Es wird suggeriert, das Meldesystem für Impfnebenwirkungen des Paul-Ehrlich-Instituts sei vollständig und verlässlich. Wahrscheinlich werden jedoch höchstens 10 Prozent selbst der schweren Fälle gemeldet. Auch der in der Sendung auftretende Kinderarzt hat nach eigenen Angaben noch nie einen schweren Fall gesehen oder gemeldet – nach unserer Erfahrung eine nicht nachzuvollziehende Aussage.

Der Vorsitzende der Kinderärztlichen Gesellschaft darf unkommentiert zum Besten geben, alle  Impfungen würden sich gegen Krankheiten richten, die "für die Kinder bzw. die Betroffenen hochdramatisch, teilweise sogar mit Todesfolge verlaufen können". Kein Wort dazu, dass er Windpocken, Mumps oder Rotavirus-Durchfall nicht gemeint haben kann.

Werbung von einem Industrievertreter für die HPV-Impfung machen zu lassen, ist schlechter Stil. Man muss im Grunde eine Deklaration der Interessenkonflikte der verantwortlichen Redakteure fordern.