23. Januar 2019. Die WHO erklärt auf ihrer Internetseite eine differenzierte, zurückhaltende Impfentscheidung zur "Notlage" und zur "Bedrohung der globalen Gesundheit" (WHO 2019) und setzt sie damit gleich mit z.B. der Klimakrise und der globalen Luftverschmutzung. Eine Steilvorlage für die üblichen Verdächtigen, gleich einmal wieder nach einer (Masern-) Impfpflicht zu rufen (Lauterbach 2019)...

Der von der WHO vorgenommenen Dämonisierung liegen gleich eine ganze Reihe intellektueller salti mortali zu Grunde:

Die gewählte Formulierung der vermeintlichen Bedrohung "Vaccine hesitancy – the reluctance or refusal to vaccinate despite the availability of vaccines..." (WHO 2019) macht die Grundhaltung der WHO deutlich: jeder von der pharmazeutischen Industrie hergestellte Impfstoff muss (idealerweise im globalen Maßstab) auch angewendet werden. Damit werden in einem Atemzug nicht nur anders entscheidende Eltern, sondern auch zahllose staatliche Impfkommissionen (selbst die STIKO) zu Bedrohung der globalen Gesundheit erklärt - denn selbst die STIKO zögert (englisch: hesitates) ja zum Beispiel (wissenschaftlich gut und ausführlich begründet), die seit vielen Jahren verfügbare Impfung gegen Meningokokken B zu empfehlen, und sie befindet sich damit in guter Gesellschaft der Mehrzahl europäischer Impfkommissionen. Auch gegen die Impfungen gegen Windpocken, gegen Rotaviren und andere mehr zeigen viele der staatlichen Fachgremien innerhalb der EU "hesitancy" und "reluctance". Genauso - horribile dictu - verweigern (englisch: refuse) zahlreiche europäische Impfkomissionen im Gegensatz zur deutschen STIKO die Empfehlung der vierten Impfung bei der Grundimmunisierung mit 5- oder 6-fach-Impfstoffen (weil drei Impfungen nachgewiesenermaßen völlig ausreichen)... . Das Lamento der WHO setzt implizit einen (internationalen) wissenschaftlichen Konsens voraus, welche Impfungen denn sinnvoll oder notwendig seien - anders als bei vielen anderen medizinischen Maßnahmen gibt es diesen Konsens beim Impfen nicht.

Der Vorwurf der WHO, Menschen, die nicht das gesamte Produkt-Portfolio der großen Impfstoffhersteller verabreicht bekommen haben, seien eine Gefahr vor allem für andere, setzt einmal mehr in fahrlässiger und damit sachlich unhaltbarer Generalisierung einen durch Impfungen entstehenden Schutz anderer voraus - die so genannte "Herdenimmunität". Diese kann jedoch bei weitem nicht für alle Impfungen angenommen werden (Näheres dazu siehe hier) und gilt z.B. überhaupt nicht für die Keuchhustenimpfung oder für die von der WHO ausdrücklich in diesem Zusammenhang angeführte Impfung gegen Kinderlähmung (zumindest nicht für die zunehmend verwendete gespritzte so genannte IPV-Impfung):  beide schützen definitiv nicht vor der Übertragung der Erkrankungen auf andere.

Der Vorwurf, es käme nur aufgrund der Impfmüdigkeit wieder zu einer Zunahme von z.B. Masernerkrankungen ignoriert völlig die mittlerweile unstrittige Erkenntnis, dass auch initial erfolgreich Maserngeimpfte in vielen Fällen nach Jahren wieder (untypisch) erkranken und andere anstecken können (Näheres dazu siehe hier). Die langfristigen epidemiologischen Folgen dieser Tatsache sind vollständig unklar... .

Auch die Behauptung der WHO, bei entsprechend hohen Durchimpfungsraten seien z.B. die Masern auszurotten und dass dies nicht gelinge, läge nur an der "vaccine hesitancy" harrt jedes Beweises: die Ausrottung einer Erkrankung durch Impfungen ist bis zum heutigen Tag nur in einem einzigen Fall gelungen: bei den Pocken (Näheres dazu siehe hier). Die Bedingungen, die in der medizinischen Aufarbeitung der Pockeneradikation für Erkrankungen formuliert wurden, damit diese überhaupt ausrottbar sein können, erfüllt derzeit keine andere Erkrankung weltweit, am allerwenigsten die Masern (Näheres dazu siehe hier). Ob und wenn ja wie nachhaltig die globalen so genannten Eradikationsprogramme daher tatsächlich zu einem endgültigen (!) Verschwinden der entsprechenden Erkrankungen führen, ist selbst für die Pocken noch unbewiesen (s. hier), für alle anderen Erkrankungen auf der "schwarzen Liste" der WHO ist es völlig unklar.

Völlig außer Acht lässt diese vorsichtig formuliert vereinfacht-cartesianische Weltsicht der WHO mittlerweile unbestrittene negative Effekte flächendeckender Impfprogramme wie zum Beispiel:

  • replacement-Phänomene bei Impfungen gegen bakterielle Erreger wie PneumokokkenHiB oder auch Meningokokken, die das eigentliche Ziel der entsprechenden Impfungen, Krankheits- (nicht: Erreger-) Häufigkeiten zu verringern, massiv kompromittieren oder gar in Frage stellen

  • die gut untersuchte Tatsache, dass bestimmte schwere Erkrankungen (wie z.B. Hirn- und Hirnhautentzündungen) nicht seltener werden, obwohl "erfolgreich" und flächendeckend gegen deren Haupterreger geimpft wird (s. hier).

  • die unstrittige Tatsache, dass Impfkampagnen wie z.B. die gegen Mumps zu Verschiebungen der Erkrankungen in das Jugendlichen- und Erwachsenenalter führen - in denen die Komplikationen der im Kindesalter meist harmlosen Erkrankungen (wie Mumps) unvergleichlich häufiger auftreten.

Mit ihrer undifferenziert impfmaximalistischen Forderung "jede(n) überall gegen alles impfen" muss sich die WHO (einmal mehr) den Vorwurf gefallen lassen, vor allem die Positionen der sie mittlerweile maßgeblich finanzierenden Lobbygruppen (wie der Bill and Melinda Gates Foundation BMGF) zu vertreten. Und dies ist sicher einer der Gründe, dass die WHO als Ursache für "vaccine hesitancy" auch "lack of confidence" beklagen kann - eine Organisation, die gerade beim Thema Impfen regelmäßig in den Verdacht fehlender Unabhängigkeit von pharmaindustriellen Interessen gerät (vom Ausrufen der Schweinegrippe-"Pandemie", die sich letztendlich nur als ein gewaltiges Konjunkturprogramm für die Impfstoffhersteller entpuppte, bis zur systematischen Verschleierung von Impfstoff-Nebenwirkungen (s. hier)) ist bei diesem wichtigen Punkt des Vertrauens der Menschen in ihre Empfehlungen und Veröffentlichungen Teil des Problems, nicht der Lösung...

So verspielt die WHO wieder einmal die Chance, als supranationale Organisation Maßnahmen zu fordern, die dazu angetan wären, Vertrauen in Impfungen und auch in die WHO selbst (wieder) herzustellen - mögliche Beispiele wären

  • die Forderung, Impfstoffe müssten (wie alle anderen Medikamente auch) für ihre Zulassung gegen wirkstofffreie Medikamente (Placebos) geprüft werden, um ihre Wirkungen und vor allem Nebenwirkungen nach wissenschaftlichen Maßstäben zu erfassen - dies ist heute die sehr seltene Ausnahme.

  • die Forderung, die Nebenwirkungen (UAW) von Impfstoffen müssten nach den gleichen strengen Kriterien erfasst und dokumentiert werden, wie bei anderen Medikamenten - die Erfassung von Impfstoff-UAW ist gerade in den letzten Jahren zunehmen erschwert worden, viele der entsprechenden Veröffentlichungen erfolgen mittlerweile von der WHO gemeinsam mit den Herstellerfirmen

  • die Forderung, die Nachhaltigkeit von Impf- und vor allem so genannten Eradikationsprogrammen unabhängig von der pharmazeutischen Industrie zu untersuchen - solche mittel- und langfristige Studien zu Impfstoffen existieren so gut wie nicht.

Der Beweis, dass heute nach den Vorstellungen der WHO geimpfte Kinder in 20 oder 50 Jahren die gesünderen Erwachsenen sein werden, steht aus...

Literatur

Lauterbach K. 2019. Lauterbach will Impfpflicht für Masern neu debattieren. DÄ 2019. Abruf 23.01.2019
WHO. 2019. Ten threats to global health in 2019. Abruf 23.01.2019