Aus zahlreichen Ländern kommen in letzter Zeit Meldungen zu möglichen schweren Nebenwirkungen der HPV-Impfung: CRPS (chronisches regionales Schmerzsyndrom) und POTS (posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom). In Japan wurde deshalb 2013 die Impfempfehlung ausgesetzt, in Dänemark machten Ärzte in einem alarmierenden Fernsehbericht auf betroffene Mädchen aufmerksam (TV2 2015). Die dänischen Gesundheitsbehörden forderten, dass die Sache auf europäischer Ebene geklärt wird.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat nun in einer Presseerklärung vom 5.11.2015 den Versuch unternommen, den HPV-Impfstoff von den gravierenden Nebenwirkungen freizusprechen. Das kommt nicht überraschend: Schon vor der Erstellung des Berichts, im Juli 2015, hatte die EMA verkündet, die Analyse werde auf jeden Fall nicht das positive Nutzen-Risiko-Profil der HPV-Impfstoffe infrage stellen, weshalb auch kein Grund bestehen werde, die aktuellen Impfempfehlungen zu ändern (EMA 2015).

Es ist nachvollziehbar, dass sich die EMA nicht selber ans Bein pinkeln will, denn sie hat ja die HPV-Impfstoffe zugelassen - unter allerdings skandalösen Umständen: Zum Zeitpunkt der Zulassung für Gardasil und Cervarix in den Jahren 2006 und 2007 war keine einzige Studie zum klinischen Nutzen abgeschlossen. Insider waren durch die damalige Eile nicht verwundert, denn die EMA wird zu mehr als zwei Dritteln von der Pharmaindustrie finanziert, und im wissenschaftlichen Beirat dieser Behörde sitzen Vertreter der Medikamentenhersteller. Peter Schönhofer, Mitherausgeber des arznei-telegramms, schrieb: „Eine Behörde, die derart die Vermarktungsinteressen der Hersteller auf Kosten der Sicherheit und gesundheitlichen Unbedenklichkeit der EU-Bürger stützt und schützt, muss es sich gefallen lassen, als Handlanger der Interessen der Pharmaindustrie zu gelten.“ (Transparency 2009). Im Jahr 2011 hatte das Europäische Parlament sogar den Haushalt der EMA abgelehnt, weil es schwere Bedenken wegen der Interessenabhängigkeit sogenannter Experten hatte, die von der Zulassungsbehörde als Berater, Mitarbeiter oder Leiter von maßgeblichen Gremien eingesetzt wurden.

Die Meldung der EMA wurde von der deutschen Zulassungsbehörde Paul-Ehrlich-Institut an die Presse weitergeleitet - munitioniert mit der Behauptung, es habe in Deutschland bisher nur vier Meldungen von CRPS und keine einzige Meldung eines POTS an das Paul-Ehrlich-Institut gegeben (PEI 2015).

Diese Behauptung ist eine grandiose Fehlleistung. Das Institut ist entweder nicht in der Lage oder nicht willens, seine eigene Meldedatei auszuwerten. Schon nach kurzer und müheloser Recherche lassen sich dort nämlich folgende Meldungen gesundheitlicher Problemen nach der HPV-Impfung finden (Zugriff am 14.11.2015):

1 x Fibromyalgie,
4 x chronisches regionales Schmerzsyndrom,
184 x "Schmerzen" unterschiedlicher Schwere und Dauer,
3 x Tachykardiesyndrom,
13 x orthostatische Intoleranz,
25 x Tachykardie.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass nach seriösen Schätzungen nur fünf bis zehn Prozent aller Vorfälle gemeldet werden. Auch das Arznei-telegramm listet in seiner Meldedatei mehrere Fälle chronischer Schmerzen nach der HPV-Impfung auf, die einem CRPS entsprechen könnten.

Es geht einfach nicht an, dass Zulassungsbehörden wie die EMA oder das Paul-Ehrlich-Institut sich selbst kontrollieren. Nebenwirkungen zugelassener Medikamente und Impfstoffe müssen von einer unabhängigen Behörde gesammelt und ausgewertet werden.

Die Darstellung der EMA wird inzwischen von den dänischen Ärzten in Frage gestellt, die bei mehr als 1300 geimpften Mädchen Beschwerden wie CRPS und POTS registriert haben: "Wir vermuten eine Verbindung mit der HPV-Impfung wegen des engen zeitlichen Zusammenhangs und fehlenden alternativen Erklärungen". Die Dänische Regierung strebt jetzt eine eigene Studie an, um den vermuteten Zusammenhang zu belegen - sie hat mit Recht kein Vertrauen in die EMA. Auch US-amerikanische Neurologen zweifeln an der Erklärung der EMA und fordern unabhängige Untersuchungen ohne Interessenkonflikt (Medscape 2015).

Nicht zuetzt geht es darum, dass betroffene Mädchen, die unter Umständen lebenslang behindert bleiben (eindrucksvolle Bilder zeigte der neuseeländische Sender 3News 2015), wenigstens eine finanzielle Entschädigung bekommen. Die EMA spielt Gutachtern in die Hände, die die Anerkennung als Impfschaden ablehnen.