Das renommierte und als unabhängig geltende Cochrane Institut arbeitet derzeit an einer Übersichtsarbeit zur Impfung gegen Humane Papilloma Viren (HPV). Mit der Unabhängigkeit ist es jedoch zumindest bei diesem Vorhaben nicht weit her, wie die Süddeutsche Zeitung am 22. Februar 2013 berichtet. Mindestens zwei der mit der Arbeit betrauten Wissenschaftler haben demnach schwerwiegende Interessenskonflikte, denn sie hätten just an den Studien mitgewirkt, die vom Cochrane-Institut beurteilt werden sollen. Einer der beiden, Dr. Marc Steben vom Institut für Public Health in Québec, habe seine Beteiligung an den HPV-Impfstudien sogar verschwiegen – im Gegensatz zu seinem  Urteil zum HPV-Impfstoff, das er schon vor längerer Zeit hinausposaunt hat: „Ein Super-Impfstoff“. Ein anderer Cochrane-Mitarbeiter, der Gynäkologe Prof. Achim Schneider von der Berliner Charité habe die HPV-Impfstoffe von vorneherein als "nebenwirkungsfrei" bezeichnet (SZ 22.2.2013).

Dabei sind zwei Tatsachen unter unabhängigen Fachleuten unbestritten: Für die Behauptung, die HPV-Impfung verhüte Krebs, steht der wissenschaftliche Beweis bisher aus: „Ob und, wenn ja, in welchem Ausmaß sie schwere Zervixdysplasien, Karzinome und Todesfälle verhindert, wird erst nach Jahrzehnten bekannt sein“ (arzneitelegramm 2008, 39: 92-4). Und es werden seit der massenhaften Anwendung von HPV-Impfstoffen immer mehr neurologische, autoimmune und die Blutgerinnung betreffende Nebenwirkungen bekannt. „Die gemeldeten Nebenwirkungen sind real und können nicht einfach zur Seite gefegt werden“, sagt hierzu Diane Harper, eine der Prüfärztinnen der HPV-Studien von Merck und GlaxoSmithKline (Gandey 26.7.2008).

Auf Grund der Skepsis vieler Ärzte und Patientinnen verläuft der Verkauf der HPV-Impfstoffe in vielen Ländern Europas schleppend (SPIEGEL Online 6.9.2012). Dem wollen die Impfstoffhersteller jetzt anscheinend durch Einflussnahme auf das Gutachten des Cochrane Instituts gegensteuern. Sollte nun auch das Cochrane Institute, eine der letzten Bastionen industrieunabhängiger medizinischer Forschung, von Arzneimittelherstellern gekapert werden, geht die letzte Eichung für viele medizinische Maßnahmen verloren.