Auf der 1. nationalen Konferenz für differenziertes Impfen vom 01. bis 02. Oktober in Wuppertal sind Experten und ärztliche Praktiker zusammengekommen, um zu beraten, wie eine differenzierte Impfpraxis aussehen kann, die sich den Herausforderungen einer ganzheitlich orientierten Prävention und Gesundheitsförderung stellt. Die Ergebnisse der Konferenz wurden durch die Veranstalter, die „Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.“ zusammengefasst und finden Ausdruck in der folgenden Erklärung:

 

Wuppertaler Manifest

Die wirksamsten Präventionsmaßnahmen gegen ansteckende und lebensbedrohliche Krankheiten weltweit sind menschenwürdige Lebensverhältnisse, Gesundheitserziehung und der Zugang zu Bildung, zu gesunden Nahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser. Im Unterschied zu diesen aktiven Ansätzen der Gesundheitsförderung handelt es sich bei „Schutz“-Impfungen um Defensiv-Maßnahmen. Sie können ergänzend sinnvoll sein, um bestimmten lebensbedrohlichen Krankheiten vorzubeugen.

Die Aufwendungen für jede Schutzimpfung müssen abgewogen werden gegen ihren individuellen und gesellschaftlichen Nutzen. Auf diese Weise müssen sie sich dem Vergleich mit anderen Formen der Krankheitsvorsorge und –verhütung, stellen, denen angesichts begrenzter Ressourcen in nationalen Gesundheitssystemen durch teure Impfprogramme Mittel entzogen werden.

Auch müssen mögliche langfristige Folgen von Impfprogrammen besser und unabhängig vom Einfluss und den Interessen der Impfstoffhersteller untersucht und bedacht werden. Dabei kommen insbesondere in Betracht:.

  • negative Auswirkungen auf die Reifung des Immun- und Nervensystems vor allem junger Säuglinge,
  • der zunehmende Verlust der robusten, durch Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Erreger erworbenen Immunität in der Bevölkerung und deren Ersatz durch eine kürzere und weniger kompetente Impf-Immunität,
  • das Verschieben von Krankheiten in komplikationsträchtigere Altersgruppen und die Ausbreitung neuer Erreger oder Erregertypen als Folge großflächiger Eliminations- und Eradikationsprogramme.

Die dramatische Zunahme chronischer Erkrankungen wie Asthma bronchiale oder Diabetes mellitus schon im Kindesalter, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Ländern wie Deutschland zu beobachten ist, macht es dringend erforderlich, Fragen der Krankheitsprävention in größeren Zusammenhängen zu betrachten und zu untersuchen als bisher geschehen. Eine nachhaltige Gesundheitsentwicklung erfordert grundlegend andere Konzepte, als durch eine ständig zunehmende Zahl immer früher verabreichter Impfungen einzelne Untergruppen von Krankheitserregern zu eliminieren.

Die jetzige Praxis von zunehmend als Verpflichtung interpretierten Impfempfehlungen wird den wissenschaftlichen, gesundheitlichen und ökonomischen Erfordernissen einer modernen integrierten Präventivmedizin in keiner Hinsicht gerecht und ist in dieser Form ein Anachronismus:

  • Die Ständige Impfkommission verfügt weder personell noch finanziell über die Mittel, eine unabhängige, umfassende und wissenschaftliche Bewertung von Impfprogrammen vorzunehmen.
  • Sie formuliert ihre Impfempfehlungen zudem unabhängig von notwendigen gesundheitsökonomischen Überlegungen im Zusammenhang mit alternativen Präventionskonzepten.
  • Die Mitglieder dieses Gremiums lassen mehrheitlich die für eine glaubwürdige Formulierung von Empfehlungen unerlässliche Unabhängigkeit von Partikularinteressen, wie denen der Impfstoffhersteller, vermissen.

Wir fordern deshalb:

  • Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung müssen in Deutschland von einer neu zu schaffenden wissenschaftlichen Institution begleitet werden.
  • Diese Institution muss vollständig unabhängig von den Interessen einzelner am Präventionskonzept beteiligter Gruppen (z.B. pharmazeutische Industrie) arbeiten.
  • Es müssen transparente, wissenschaftlich nachvollziehbare Kriterien in der Bewertung von Maßnahmen zur Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung angewendet werden. Dabei muss der im Sozialgesetzbuch V verankerten Vielfalt medizinischer Verfahren Rechnung getragen werden.
  • Die Prävention akuter und chronischer Erkrankungen im Kindes- und Erwachsenenalter muss in ein Gesamtkonzept integriert und in ihren Zusammenhängen erforscht werden.
  • Die Rolle, die Schutzimpfungen in diesem Gesamtkonzept spielen können, muss in einem Gesundheitssystem begrenzter Ressourcen wissenschaftlich gegen andere Präventionsmaßnahmen abgewogen werden.
  • Die notwendige gesetzliche Grundlage für ein solches Konzept kann nur durch ein Präventionsgesetz geschaffen werden, das den erforderlichen, von Bund und Ländern gemeinsam getragenen Rahmen bietet.

 

Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V., 12. Oktober 2010

 

Dr. Martin Hirte, Kinder- und Jugendarzt, München

Dr. Steffen Rabe, Kinder- und Jugendarzt, München

Georg Soldner, Kinder- und Jugendarzt, München

Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Kinder- und Jugendarzt, Herdecke

Dr. Christoph Tautz, Kinder- und Jugendarzt, Herdecke