... eines FSME-Risiko-Gebietes schon wieder, aber: Dachau holt ihn! Seit 2016 ist der Landkreis Dachau offiziell FSME-Risikogebiet (RKI 2016).

 

Der Hintergrund: in den vergangenen 14 (!) Jahren gab es im Landkreis Dachau insgesamt 6 (!) Fälle einer FSME, die mutmaßlich im Landkreis selbst erworben wurde. Da Dachau an schon länger bestehende so genannte Risiko-Landkreise angrenzt (Freising, Pfaffenhofen, Aichach-Friedberg), ergibt sich daher aus der Häufigkeit in der Kreisregion (Landkreis plus angrenzende Landkreise) jetzt ein Überschreiten des vom RKI festgesetzten Grenzwertes (obwohl lt. RKI die Häufigkeit der FSME in der Kreisregion nicht zugenommen hat (RKI 2016)).

Diese vorsichtig formuliert komplizierte Berechnungsmethode (Näheres dazu s. hier) hat durchaus ihre Besonderheiten und beinhaltet in diesem Fall noch ein besonderes statistisches Schmankerl: so schreibt das RKI selbst, dass im LK Aichach-Friedberg (der seit 2005 Risikogebiet ist) "die Inzidenz [Häufigkeit] in allen o. g. Zeiträumen weder im Kreis selbst, noch in der Kreisregion signifikant höher als 1 Erkrankung/100.000 Einwohner" lag  - dies ist die  "magische Grenze" für die Definition "Risikogebiet". Aber: "Vor dem Hintergrund der im Vergleich zu 2006 immer noch höheren Impfquoten in beiden Kreisen [es geht auch um den LK Gera] werden diese jedoch weiterhin für den festgelegten Mindestzeitraum von 20 Jahren als Risikogebiete eingestuft."

Eine einzigartige Argumentation des RKI:

  • Wir definieren ein Risikogebiet, das sich im Nachhinein als gar kein wirkliches Risikogebiet herausstellt.

  • Weil aber als Folge unserer Definition das eintritt, was wir uns ohnehin wünschen (eine höhere FSME-Impfrate), korrigieren wir diesen Fehler die nächsten 20 Jahre (!) lieber nicht... .

  • Daraus ergeben sich nach STIKO Empfehlung in diesem Zeitraum mindestens 6 FSME-Impfungen (3 x Grundimmunisierung und dann eine Auffrischung alle 3 - 5 Jahre) für jeden Aichach-Friedberger, der jenseits des 2. Geburtstags im LK Aichach-Friedberg (Einwohnerzahl ca. 130.000) das Haus gelegentlich verlässt und damit "Zecken exponiert" ist... .

Man darf gespannt sein, auf welche Impfungen diese Strategie der Definition eines erhöhten Risikos auf der Grundlage der höheren Impfquoten auf der Grundlage der Definition eines (nicht wirklich) erhöhten Risikos in Zukunft noch angewandt werden wird... .

 

Literatur:

RKI. EpiBull 18/2016. DOI 10.17886/EpiBull-2016-031. Abruf 09.05.2016

Wikipedia. Landkreis Aichach-Friedberg. Abruf 09.05.2016